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Carlo Kaptain
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Perspektive Verwaltung: Arbeiten bei der Stadt Düren

Carlo Kaptain im Amt für Kinder, Jugendliche und Familien der Stadt Düren:
„Beistandschaften – was ist das denn?“

Wenn Carlo Kaptain Freunden und Bekannten erzählt, wo und was er arbeitet, erlebt er oft die gleiche Reaktion: „Beistandschaften beim städtischen Jugendamt? Was ist das denn?“ 
Ein Jahr vor dem Abitur am Kreuzauer Gymnasium hat sich Carlo Kaptain für das duale Studium mit dem Abschluss Bachelor of Laws in der Stadtverwaltung be-worben neben etlichen anderen Bewerbungen bei Verwaltungen in der Region zwischen Aachen und Köln. Inzwischen ist er seit dem 1. September 2013 in der Stadtverwaltung Düren zu Hause.

Ausbildung
Im ersten Ausbildungsblock machte er positive Erfahrungen beim städtischen Sozi-alamt im Umgang mit Menschen aus ganz verschiedenen Bevölkerungsschichten. 
Nach der Gewerbeabteilung im Ordnungsamt kam er zum ersten Mal ins städtische Jugendamt, Bereich wirtschaftliche Jugendhilfe, und lernte die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kennen, die heute, nach Abschluss seiner Ausbildung seine Kolle-ginnen und Kollegen sind. „Das gute Miteinander war ein Grund für mich, nach der Ausbildung hierhin zu kommen“, sagt Carlo Kaptain. 
Seine nächste Station während der Ausbildung war die Kämmerei, wo er hautnah bei der Planung des Haushaltes mit dabei war und auch eingebunden wurde. 
Seine Bachelor-Arbeit zog eine Bilanz der neuen Kommunalverfassung rund 18 Jahre nach ihrem Inkrafttreten. Dazu führte er acht Interviews mit verschiedenen Personen, zum Beispiel mit dem Bürgermeister und Fraktionsvorsitzenden. Kann man daraus schließen, dass Carlo Kaptain gerne personenbezogen arbeitet? „Ja, das ist eine Tatsache“, bestätigt er. „Ich brauche den Kontakt mit Menschen und könnte nicht nur am Computer arbeiten. Aber ich könnte auch nicht den ganzen Tag nur Gespräche führen.“ 
Eine gesunde Mischung von Tätigkeit am Computer und Kontakt mit Menschen hat Carlo Kaptain in seiner Stelle als Beistand im Jugendamt der Stadt Düren. „Meine Aufgaben sind extrem abwechslungsreich, aber was ich hier mache, ist vielen un-bekannt“, erklärt er. „Wir kümmern uns um Unterhalt, Feststellung von Vaterschaf-ten, wenn Väter diese nicht freiwillig anerkennen wollen, geben Beratung und Un-terstützung und sind im letzten Schritt auch als Beistand gefordert, das Kind im Unterhaltsstreit vor Gericht zu vertreten und zu begleiten.“ Das Kindeswohl steht bei seiner Tätigkeit immer im Mittelpunkt. 

Arbeit im Jugendamt
Carlo Kaptain ist berechtigt, Zwangsvollstreckungsmaßnahmen einzuleiten, wenn das im Interesse des Kindes erforderlich ist. Seit das Jugendamt Düren am landes-weiten Projekt „Beistandschaften 2020“ beteiligt war, wird mehr auf Beratung und Unterstützung gesetzt und versucht, in einem möglichst frühen Stadium der Tren-nung eine Vereinbarung zwischen den Eltern hinzubekommen. Carlo Kaptain ist in dieser Situation ein externer objektiver Vermittler. 
Täglich hat er feste Gesprächstermine mit Menschen, die Rat und Hilfe brauchen. „Es ist ein publikumsintensiver Bereich“, zieht er Bilanz. Hier ist auch die Anlauf-stelle für Vaterschaftsanerkennungen und Sorgeerklärungen, die vor der Geburt eines Kindes ausgestellt werden. Dieses Angebot richtet sich an Eltern, die nicht verheiratet sind, damit deren Kinder von Geburt an ehelich geborenen gleich ge-stellt sind. 2016 wurden 527 Urkunden vom Dürener Jugendamt ausgestellt, Ende Juli 2017 waren es bereits 323 Urkunden. „Die Tendenz ist steigend, die Familien-bilder haben sich verändert“, begründet das Carlo Kaptain.
Damit die Möglichkeiten, die von den Beistandschaften des Jugendamtes geboten werden, auch bekannt sind, klären die Frühen Hilfen des Jugendamtes, die alle Fa-milien besuchen, diese darüber auf. Im Bürgerbüro wird mit Flyern darauf hinge-wiesen, ebenso wie im Standesamt oder Frauenbüro. Carlo Kaptain und seine Kol-leginnen und Kollegen setzen auf Vernetzung. „Wir versuchen, mit vielen zusam-menzuarbeiten. Wir sind auch die Schnittstelle zwischen Jugendamt und Unter-haltsvorschusskasse, die in Vorleistung tritt, wenn Probleme mit dem Unterhalt das Kindeswohl gefährden.“

Voraussetzungen für die Arbeit
Was muss man mitbringen für diese Aufgaben? „Man darf nicht total schüchtern sein und den Kontakt nach außen nicht scheuen. Man muss in der Lage sein, kom-plizierte Sachverhalte so zu erklären, dass sie verstanden und akzeptiert werden, weil es sonst beim Gegenüber Frust auslöst. Wir brauchen diplomatisches Geschick und Einfühlungsvermögen sowie ein gutes Rechtsverständnis, genauer gesagt gute Kenntnisse des Privatrechts, weil wir die Kinder vertreten. Wir müssen uns deshalb, was die Rechtsprechung angeht, ständig auf dem Laufenden halten. Aber auch der Taschenrechner gehört zu unserem täglichen Handwerkszeug, denn Unterhaltsbe-rechnungen können kompliziert sein.“, fasst Carlo Kaptain zusammen und gibt all denen, die eine Ausbildung bei der Stadt anstreben, noch ein paar Tipps mit auf den Weg: „Man muss offen sein, Lust darauf haben, etwas Neues zu tun. Man muss aber auch damit umgehen können, dass es in einer Verwaltung anders zugeht als in der freien Wirtschaft. In der Verwaltung müssen Strukturen und Hierarchien einge-halten werden.“ 
Carlo Kaptain ist fest davon überzeugt, dass sich das bereits im Wandel befindet und gelockert hat. „Wir brauchen einen Wandel, weil wir mit der Zeit gehen müs-sen.“ Wie soll der aussehen? „Noch mehr weg von den Akten hin zur EDV, die nicht so mit Hierarchien vereinbar ist. Andererseits bleibt es aber wichtig, weil Verwaltung die Stadt repräsentiert, deutlich zu machen, wer Verantwortung trägt.“
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