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Leopold-Hoesch-Museum & Papiermuseum Düren restituiert Grafiken von Wenzel Hollar
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Leopold-Hoesch-Museum & Papiermuseum Düren restituiert Grafiken von Wenzel Hollar

Düren, den 28.06.2018

Düren. Das Leopold-Hoesch-Museum & Papiermuseum Düren (LHM) restituiert vier Grafiken von Wenzel Hollar (1607 - 1677), die ehemals zur grafischen Sammlung des Ritterguts Ermlitz in Sachsen-Anhalt gehörten und Eigentum von Theodor Apel bzw. Gerd-Heinrich Apel waren.

Übergabe der Grafiken im Leopold-Hoesch-Museum.

Übergabe der Grafiken im Leopold-Hoesch-Museum.

Es handelt es sich bei diesen Grafiken um eine vierteilige Serie der Jahreszeiten, aufgefasst als Straßburger Ansichten (je 11 x 25,1 cm, Ätzung auf dünnem Bütten). Sie entstand um 1630, als Wenzel Hollar sich für zwei Jahre in Straßburg aufhielt und für den Verleger Jakob van der Heyden eine Reihe von Ansichten der Stadt und ihrer Umgebung schuf.

1945 wurden die Grafiken dem Eigentümer Theodor Apel (1884-1949) anlässlich der Sicherung von Kunst- und Kulturgut im Zuge der Bodenreform in der sowjetisch-besetzten Zone enteignet und gelangten in der Nachkriegszeit in den westdeutschen Kunsthandel. Somit handelt es sich um Raubkunst. Ein bisher noch nicht näher identifizierter Vorbesitzer erwarb die Grafiken zu einem unbekannten Zeitpunkt und veräußerte sie 1957 über eine Düsseldorfer Kunsthandlung an das Dürener Museum.  

Die für die Entscheidung zur Rückgabe erforderlichen Recherchen wurden im Rahmen eines vom Museumsverein Düren in Auftrag gegebenen Provenienzforschungsprojektes von dem Kunsthistoriker Dr. Kai Artinger durchgeführt. Die intensive mehrjährige Förderung der Provenienzforschung wurde ermöglicht durch die Stiftung Deutsches Zentrum für Kulturgutverluste, Magdeburg.
Ende 2017 hat der Rat der Stadt Düren entschieden, den Erben von Gerd-Heinrich Apel die  vier Grafiken zurückzugeben. Hinsichtlich der Wiedergutmachung des Vermögensverlustes der Familie Apel durch die Enteignung nach 1945 hatte zunächst das Landesamt zur Regelung offener Vermögensfragen Sachsen-Anhalt den Fall geprüft.

Hintergrund
Der Familie Apel besaß das in Sachsen-Anhalt gelegene Rittergut Ermlitz von 1771 bis 1945 und besitzt es seit 1990 wieder. Zu DDR-Zeiten wurde im Herrenhaus ein Kinderheim eingerichtet, das im Jahr 1999 in neuere Räumlichkeiten umzog. Das bot dem letzten Mitglied der Familie, Gerd-Heinrich Apel und seinem Vetter Arnd Mackenthun die Gelegenheit, das Rittergut zurückzukaufen und nach und nach zu renovieren.
Das Rittergut wurde 1945 im Rahmen der Bodenreform in der sowjetisch-besetzten Zone entschädigungslos enteignet. Bereits am 15.09.1945 wurde das Herrenhaus Ermlitz - einschließlich des darin befindlichen wertvollen Kunst und Kulturguts -  unter den besonderen Schutz der damaligen Provinz Sachsen gestellt. Die Familie Apel wurde des Landeskreises verwiesen und musste Haus und Hof binnen 24 Stunden verlassen. Sie hatte lediglich das Recht, den nötigsten Hausrat mitzunehmen. Anschließend wurde behördlicherseits eine sogenannte Schlossbergung durchgeführt.
Schlossbergungen waren spezifische Enteignungen, die ausschließlich auf dem ehemaligen Gebiet der Sowjetischen Besatzungszone nach dem Zweiten Weltkrieg stattfanden.
Wesentliches Ziel war, alle Adelssitze zu enteignen. Es wurden dabei nicht nur die landwirtschaftlichen Flächen beansprucht, sondern auch das nichtlandwirtschaftliche Inventar vom barocken Tisch über das Tafelbesteck bis zum Ahnenporträt ging in den Besitz des Staates über.

Das Kunst- und Kulturgut des Rittergut Ermlitz wurde in die Landesbibliothek, die Musikhochschule, verschiedene Museen und in die Moritzburg Halle verbracht. Die Recherchen in der Stiftung Moritzburg in Halle ergaben eine Anzahl von Verkäufen von Kunst- und Kulturgut verschiedener Provenienzen an den VEB Moderne Kunst. Im Bestand der Stiftung Moritzburg wurden neben einer Vielzahl von Grafiken u.a. auch 3 Radierungen von Wenzel Hollar der Provenienz Ermlitz/Apel ermittelt und an den Erben nach Theodor Apel zurückübertragen.



 

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