ALLES SAMMLUNG - ALLES PAPIER Teil II
Ganztägig
ALLES SAMMLUNG – ALLES PAPIER Teil II
22.11.2025 – 5.4.2026
Collagen aus der Sammlung mit Werken von Pia Andersen, Christoph Dettmeier, Herbert Falken, John Gerard, Imre Kocsis, Jirí Kolár, Matthias Kunkler, Rolf Lock, Valentin Oman, Fred Siegenthaler, Zvi Tolkovsky, Gangolf Ulbricht, Andreas von Weizsäcker u.a.
Nach „ALLES SAMMLUNG – ALLES PAPIER“ – einer Sammlungspräsentation ausgewählter Papiercollagen der städtischen Museen im Sommer 2025 – präsentiert das Papiermuseum Düren nun den zweiten Teil der Ausstellung mit besonderen Papiercollagen aus der eigenen Sammlung.
Die Geschichte der Papierherstellung und die der Collagetechnik sind eng miteinander verknüpft und reichen weit zurück. Die frühesten Collagen wurden im 12. Jahrhundert von japanischen Kalligrafen hergestellt. Sie übertrugen Gedichte auf gefärbte Papiere, die zu Bogen verklebt waren. Verzierungen in Form ausgeschnittener Bildsegmente wurden appliziert und dienten als Zierrat. Lange bevor sie in der Kunst eine Rolle spielten, fertigten Menschen Alltagscollagen z.B. für kleine private Altäre, indem sie Heiligenbildchen zusammenklebten. Eine collagierte Rezeptsammlung fertigte der Maler Carl Spitzweg im 19. Jahrhundert. Angetrieben von der Idee, die Wirklichkeit in ihre Malerei zu holen, waren es dann die Kubisten Georges Braques und Pablo Picasso, die 1912 als erste Künstler der Moderne Tapeten, Holzfurniere und Werbung in ihre Gemälde und Zeichnungen klebten. Im Surrealismus und der Pop Art wurde die Collage weiterentwickelt, behielt jedoch ihren starken Gegenwarts- und Alltagsbezug, den auch die in der Ausstellung gezeigten Beispiele aus den Jahren 1960 bis 2007 aufweisen.
Für die Papierstadt Düren und das Papiermuseum mit einem Sammlungsschwerpunkt im Bereich Papierkunst ist ein großer Bestand an Collagen verschiedener Künstler*innen naheliegend. Eine besonders schöne und vielfältige Auswahl dieser Arbeiten versammelt das Papiermuseum 2025 daher in gleich zwei Ausstellungsteilen. Nach der Sommerausstellung „ALLES SAMMLUNG – ALLES PAPIER“ (29.5.-9.11.2025) mit 15 gezeigten Positionen, zeigt die Winterausstellung nun eine Modifikation der Schau, in der einige Objekte ausgetauscht wurden.
Eine von der Collage entscheidend geprägter Fragestellung ist das Verhältnis von Bild und Text. Durch die digitale Bilderflut erhalten die Arbeiten eine besondere Aktualität. Jirí Kolář hat verschiedene Techniken entwickelt, um Textmaterial bildlich erfahrbar und Bildmaterial lesbar zu machen. Im zweiten Teil wird seine dreidimensionale Papierarbeit „Engel“ (1969) erstmals nach Restaurierungsmaßnahmen wieder der Öffentlichkeit präsentiert. Die gerahmte Papiercollage „Schmetterlinge“ (1969), die vier tiefblaue Schmetterlinge auf einem Blatt Papier versammelt, wird erstmals überhaupt im Papiermuseum gezeigt und bildet ein Highlight des zweiten Ausstellungsteils.
Die Pappmaché-Skulptur „Berliner Bär“ (1992), eine dreidimensionale Papiercollage des Papiermachers Andreas von Weizsäcker, wird – wie auch in Teil I der Ausstellung – begleitet von einer Vermittlungsstation, die eine im Winter 2020/21 durchgeführte Restaurierung der Bärenskulptur anschaulich erläutert. Warum müssen Objekte restauriert werden? Wie können Arbeiten aus Papier für nachkommende Generationen erhalten werden? Der „Berliner Bär“ ist geformt aus Büttenpapier und recycelten Stadtplänen Ost- und Westberlins. Das drei Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung entstandene Kunstwerk reflektiert die politische Situation und gesellschaftliche Veränderung der damaligen Zeit. Als Zeugnis deutscher Geschichte und als Beleg für die Anfänge europäischer Papierkunst ist der sogenannte „Eisbär“ elementarer Bestandteil der Sektion Papierkunst in der Sammlung der Dürener Museen.