Sven ’t Jolle
Reclining Crates (Lunchtime against the increase of the level of exploitation)
2008–2010
Beton, Pigment, Bronze
257 x 87 x 91 cm
Hoeschplatz
Die Kunst von Sven ’t Jolle ist ästhetisch anspielungsreich und zielt zugleich auf klare Botschaften ab. Darauf deutet jedenfalls der Werktitel Reclining Crates (Lunchtime against the increase of the level of exploitation) hin. Der erste Teil, Reclining Crates, ließe sich mit „Liegende Kisten“ übersetzen. Er verweist spielerisch auf ein beliebtes Motiv der Kunstgeschichte, den „Reclining Nude“, die zumeist als weiblich interpretierbare, liegende nackte Figur. In dieser Lesart würden die fünf „Kisten“ für Haare, Gesicht mit angedeuteten Augen und Nase, Rumpf, Beine und Füße stehen. Mit Blick auf ’t Jolles Entscheidung für eine Reihung kubischer Formen kommen beispielsweise die kubistischen Akte von Fernand Léger (1881–1955) in den Sinn – ein bedeutender Künstler der Moderne, der ebenfalls die Arbeitswelt thematisierte und auf den sich ’t Jolle häufiger bezieht.
Der zweite Teil des Titels, „Mittagspause gegen das steigende Niveau der Ausbeutung“, formuliert einen ausdrücklich politischen Appell. Denn ’t Jolles Skulptur umfasst nicht nur eine Art Aktdarstellung, sondern auch eine Art Stillleben aus vier bemalten Bronzen, den Nachbildungen von Utensilien einer bescheidenen Mittagspause: Wasserkocher, Tasse, Thermoskanne und ein Lunch-Päckchen. Das Arrangement lässt an eine berühmte Forderung des französischen Dichters Lautréamont denken, den die Surrealisten verehrten: „Die Poesie muss von allen gemacht werden, nicht von einem einzelnen.“
Positioniert zwischen einem Parkplatz und dem Leopold-Hoesch-Museum, wirft Reclining Crates eine Reihe von Fragen auf, etwa nach der oft vermissten „Aufenthaltsqualität“ des öffentlichen Raums: Wo können Menschen in einer ästhetisch ansprechenden Umgebung frei von Konsumzwang pausieren? Und reicht eine Mittagspause, um sich gegen „das steigende Niveau der Ausbeutung“ zu wehren? Sven ʼt Jolles Beton-Kisten sind den Transportkisten, in denen kostbare Kunstwerke transportiert und aufbewahrt werden, nicht unähnlich – vielleicht ein selbstreflexiver Hinweis auf die zunehmende Ungleichheit auch in diesem sozialen Feld.
Kurzbio
Geb. 1966 in Antwerpen (Belgien), lebt in Melbourne (Australien). Kunststudium an der Antwerpener Royal Academy of Fine Arts von 1986 bis 1990.

