Karl Krauß
Allegorische Figuren Studium und Fantasie, 1906
Bronze
Die Dürener Industriellenfamilie Hoesch, vertreten durch Kommerzienrat Wilhelm Hoesch (1845–1923), schenkte der Stadt Düren 1899 den Betrag von 300.000 Mark für die Errichtung eines Museums, das nach dem Vater des Kommerzienrats, Leopold Hoesch (1820–1899), benannt werden sollte. Mit dem Entwurf für das Gebäude im neobarocken Stil beauftragte die Familie den Aachener Architekten Georg Frentzen (1854–1923).
Die Dürener Volkszeitung vom 9. November 1905 berichtete ausführlich über die Einweihung des Leopold-Hoesch-Museums am Vortag und stellte fest: „Noch ist es in seiner äußeren Ausstattung nicht ganz fertig, noch fehlen die beiden ganz in Bronze ausgeführten Kolossal- und Idealgestalten, welche rechts und links vom Portal auf die bereits vorhandenen Postamente zu stehen kommen werden und die wie die Kunst und Wissenschaft versinnbildlichenden Figurenfriese auf beiden Flügeln des Baues von Herrn Professor Krauß in Aachen modelliert sind. Die eine dieser Kolossalstatuen, eine männliche Figur, stellt das Studium, die andere, eine weibliche Figur, die Fantasie dar.“ Diese Zuordnung ist nachvollziehbar; während die Allegorie des Studiums den Blick auf ein geöffnetes Buch richtet, lässt die Allegorie der Fantasie den Blick schweifen.
Tatsächlich wurden die beiden „Kolossal- und Idealgestalten“ erst 1906 auf den Postamenten links und rechts des Eingangs platziert. Die Aufgabe solcher allegorischen Figuren war, die Funktionen eines Gebäudes zu veranschaulichen. So war das Leopold-Hoesch-Museum anfangs eher ein Kulturzentrum als ein Kunstmuseum. Es beherbergte unter anderem die Stadtbibliothek, das Stadtarchiv, eine Altertumssammlung und eine naturwissenschaftliche Sammlung; nur das obere Stockwerk war Kunst- und Kunstgewerbeausstellungen vorbehalten.
Durch den Luftangriff auf Düren im November 1944 wurde das Museumsgebäude stark beschädigt, konnte jedoch bis 1952 in vereinfachter Form wieder aufgebaut werden. Die beiden in der Dürener Volkszeitung erwähnten „Kunst und Wissenschaft versinnbildlichenden Figurenfriese“ von Karl Krauß fehlen seitdem und sind nur noch auf historischen Fotografien zu sehen. Sie dienten als Dekoration der apsidenförmigen Rundungen, die den Gebäuderiegel seitlich abschließen. Die Reliefs am Westflügel hatten den Krieg zwar überstanden, wurden jedoch im Rahmen des Wiederaufbaus abgeschlagen.
Kurzbio
Geb. 1859 in München, gest. 1906 in Aachen. Studium an der Kunstgewerbeschule in München, 1888 Berufung an die Aachener Hochschule. Dekorationen und Figurenschmuck für Fassaden, Gestaltung von Grabmälern und Porträtbüsten, Entwurf zu einem Bismarck-Denkmal für Hamburg, 1904 Bahkauv-Brunnen in Aachen (1942 als „Metallspende“ eingeschmolzen).
Literatur
100 Jahre Leopold-Hoesch-Museum, 100 Jahre Museumsverein Düren, hg. von Dorothea Eimert und Irmgard Gerhards, Leopold-Hoesch-Museum, Düren 2005

