Jupp Ernst, Stele

Jupp Ernst
Stele V (Salut), 1974
Chromnickelstahl
​Höhe 800 cm

Die acht Meter hohe Stele V (Salut) von Jupp Ernst wurde 1974 im Auftrag der Stadt Düren nach einem Prototyp von zweieinhalb Meter Höhe produziert und stand von 1975 bis 2010 vor dem Leopold-Hoesch-Museum auf einem Rasenstück. Sie sollte vor der Fassade des neobarocken Gebäudes signalisieren, dass darin seit einigen Jahren vor allem zeitgenössische Kunst ausgestellt wurde; Direktor des LHM war seit 1972 Wilhelm Lehmbruck, ein Neffe des gleichnamigen Bilderhauers. Im Zuge der Erweiterung des Gebäudes und der Neugestaltung des Hoeschplatzes wurde das Werk restauriert und 2017 vor dem Haus der Stadt aufgestellt; der neue Standort wurde im Rahmen des Masterplans Innenstadt von der städtischen Kommission für Kunst im öffentlichen Raum ausgewählt.

Als bildender Künstler trat Jupp Ernst vor allem nach dem Ende seiner langjährigen, erfolgreichen Laufbahn als Grafiker und Industriedesigner hervor. Zu seinen bekanntesten Entwürfen gehört wohl die prägnante Afri-Cola-Flasche (1962); für Firmen wie Melitta und Resopal entwickelte er die Corporate Identity. Für die Dürener Peill & Putzler Glashüttenwerke gestaltete er in den 1950er Jahren aufwendige Werbebroschüren, die den Glasleuchten und Trinkgläsern nach Entwürfen von Wilhelm Wagenfeld gewidmet waren.

Von 1954 bis 1969 leitete Ernst die Staatliche Werkkunstschule Kassel, die er zur Hochschule für Gestaltung weiterentwickelte. Für die documenta III (1964) verantwortete er auch erstmals eine Abteilung für angewandte Kunst – ein Schritt, der angesichts des wachsenden Einflusses der Alltagskultur auf die Hochkunst, etwa in der Pop Art, folgerichtig war. Für diese documenta-Sektion entwarf Jupp Ernst auch das Logo – eine weiße Kreisform auf gelbem Grund, aus der am linken und rechten Rand zwei gleichgroße Kreisformen ausgeschnitten waren. Dieses Signet, eine Abstraktion des Auges, diente als Grundlage seiner ersten Metallskulptur, die bis zu Ernsts Pensionierung 1969 vor dem von ihm initiierten Neubau der Werkkunstschule in der Karlsaue stand.
Nach seinem Weggang aus Kassel ließ sich Ernst in Langerwehe bei Düren nieder und widmete sich neben Aktivitäten als Entwerfer, Berater und Mitglied von Kommissionen verstärkt seiner Arbeit als Metallbildhauer in der Tradition konstruktivistischer Künstler wie Max Bill und Antoine Pevsner. So entstanden etwa 135 Werke aus Kupfer, Messing oder Edelstahl in reduzierten geometrischen Formen, die allerdings – wie die Titel andeuten – auch gegenständliche Bezüge hatten.
 

Kurzbio:

Geb. 1905 in Paderborn, gest. 1987 in Langerwehe. 1926 bis 1929 Studium an der Kunstgewerbeschule in Bielefeld. 1947 Mitbegründer der Künstlervereinigung Junger Westen. 1948 Berufung zum Direktor der Werkkunstschule Wuppertal. 1951 bis 1966 Vorstandsmitglied des Deutschen Werkbundes West-Nord. 1954 bis 1969 Direktor der Staatlichen Werkkunstschule Kassel, Reformierung der Schule zur Hochschule für Gestaltung. 1957 Gründung der Zeitschrift form mit Willem Sandberg und Wilhelm Wagenfeld, bis 1967 Redakteur und Herausgeber. 1963/64 Mitglied des documenta-Rates. 1967 bis 1972 Mitglied im Organisationskomitee der Olympischen Sommerspiele in München 1972. 1985 Verleihung des großen Verdienstkreuzes der Bundesrepublik Deutschland.
 

Literatur:

Max Peter Maass, Jupp Ernst. Vom Firmenzeichen zum plastischen Sinnbild / From Trade-Marks to Plastic Symbols / De l’embleme commercial au symbole plastique, o. O. 1973. (Sonderdruck aus der Zeitschrift NOVUM Gebrauchsgraphik, München, 11/1973).

Jupp Ernst. Plastiken Faltungen Zeichen, Ausst.-Faltblatt Leopold-Hoesch-Museum, Düren 1975.

Willi Lehmbruck, Der Plastiker Jupp Ernst, Düren 1979.

Gerda Breuer, Jupp Ernst 1905 – 1987. Designer, Grafiker, Pädagoge, Tübingen 2007.