Joseph Uphues, Otto von Bismarck

Joseph Uphues, Otto von Bismarck

Joseph Uphues
Otto-von-Bismarck-Denkmal, 1891
Bronze
Höhe der Statue ca. 300 cm

Die Bismarck-Statue im Theodor-Heuss-Park ist das einzige erhaltene Fragment eines groß angelegten Denkmals, das im September 1892 eingeweiht wurde und in historischen Postkarten gut dokumentiert ist. Es war ein früher Ausdruck der Bismarck-Verehrung, die nach dessen Entlassung durch Kaiser Wilhelm II. im März 1890 einsetzte. Initiiert wurde das Projekt von einem städtischen Komitee; die Finanzierung übernahm zum größten Teil der Dürener Industrielle Philipp Schoeller. Den Auftrag erhielt der Berliner Bildhauer Joseph Uphues, der kurz zuvor bereits ein Monument für Kaiser Wilhelm I. (1797–1888) auf dem Kaiserplatz realisiert hatte.
 

Die Bronzefigur des „eisernen Reichsgründers“, der von 1871 bis 1890 erster Reichskanzler des Deutschen Kaiserreichs gewesen war, konnte ursprünglich nur aus der Distanz und in Untersicht betrachtet werden. Sie bildete das Zentrum der wohl über acht Meter hohen Anlage mit Wasserspeiern und Auffangbecken, Blumenbeeten und Büschen auf achteckigem Grundriss, die durch ein niedriges Gitter eingefasst war. Der Gehweg davor war in den Farben des Deutschen Kaiserreichs Schwarz, Weiß und Rot ornamental gepflastert. Die Bismarck-Figur, in der Uniform der Halberstädter Kürassiere, auf einen Reitersäbel gestützt und mit der Urkunde der Kaiserproklamation – „Versailles den 18. Januar 1871“ – in der rechten Hand, stand auf einem hohen Granitsockel, der geschmückt war mit Reliefporträts des Kriegsministers unter Bismarck, Albrecht Graf von Roon, und des Generalfeldmarschalls Helmuth Graf von Moltke. Auf drei Stufen unterhalb des Sockels waren skulpturale Darstellungen eines ruhenden Löwen und der Muse Klio platziert, in der griechischen Mythologie die Schutzgöttin der Heldendichtung und der Geschichtsschreibung.


Nach der Bombardierung Dürens am 16. November 1944 blieb nur die Bismarckfigur erhalten. Sie wurde 1956 auf einem neuen, flachen Sockel im Theodor-Heuss-Park, ihrem heutigen Standort, aufgestellt. Was das historische und das aktuelle Bismarck-Denkmal miteinander verbindet, ist vor allem eine implizite städtebauliche Funktion, die Markierung eines architektonischen „Leuchtturmprojekts“. So dient die Statue nun auch als Namensgeber und Bezugspunkt für das 2019 fertiggestellte Bismarck-Quartier Düren (BQD). Zugleich ist die geschichtliche Bedeutung des einflussreichen Politikers – und damit auch die Funktion der zahlreichen ihm gewidmeten Denkmäler – Gegenstand intensiver Debatten, steht sein Name doch für die Einführung einer fortschrittlichen Sozialgesetzgebung ebenso wie für die Repression der Sozialdemokratie, den „Kulturkampf“ des preußisch-protestantischen Kaisertums gegen die katholische Kirche und die Gründung des deutschen Kolonialreichs. Vor diesem Hintergrund organisierte die Stadt Hamburg, wo das mit 34,3 Metern höchste Bismarck-Denkmal steht, 2022 einen Ideenwettbewerb, um das Monument neu zu kontextualisieren.