Joseph Uphues, Ein Sabiner

Joseph Uphues, Ein Sabiner

​Joseph Uphues
Ein Sabiner verteidigt seine Schwester, 1886
Bronze
Maße: männliche Figur 250 cm; weibliche Figur 100 cm hoch
Willy-Brandt-Park (Stadtpark)

Joseph Uphues gab seiner Zwei-Figuren-Gruppe den Titel Ein Sabiner verteidigt seine auf der Flucht vor den Römern vor seinen Füßen zusammenbrechende Schwester. Die zunächst in Gips ausgeführte Skulptur wurde erstmals 1886 in der Königlichen Akademie der Künste in Berlin ausgestellt. Sie entstand im Atelier von Reinhold Begas, dessen Meisterschüler Uphues war. Vermutlich handelt es sich um die Abschlussarbeit seiner Bildhauerausbildung. Auch Begas hatte zu diesem Thema gearbeitet, allerdings mit einem anderen Fokus; seine neobarocke Skulptur von 1876 zeigt eine entführte Sabinerin bei dem Versuch, sich aus dem gewaltsamen Griff eines Römers zu befreien. Während Begas die männliche Figur als Aggressor darstellte, präsentierte Uphues sie als brüderlichen Beschützer. Die literarische Vorlage vom „Raub der Sabinerinnen“ lieferte der römische Autor Titus Livius: Nach der Gründung Roms gab es in der Stadt zu wenig Frauen, sodass Romulus den römischen Männern befahl, während eines Wettkampfs mit ihren Nachbarn, den Sabinern, deren unverheiratete Frauen zu entführen. Dieser Mythos wurde vor allem seit der Renaissance in zahlreichen Varianten bebildert; zu den berühmtesten skulpturalen Interpretationen gehört Giambolognas manieristische Dreiergruppe in der Florentiner Loggia dei Lanzi (1579). Eine weitere Inspirationsquelle für Uphues war das Gemälde Les Sabines (1799) von Jacques-Louis David.

Der Dürener Textil- und Teppichfabrikant Philipp Schoeller (1833–1904) und seine Ehefrau Anna (1849– 1911) erwarben die Figurengruppe um 1890 als Bronzeguss, der im Park der Villa Schoeller aufgestellt wurde. Damit begann zwischen der Familie Schoeller und dem Künstler eine langjährige mäzenatische Beziehung, in der Uphues vor allem Aufträge für Porträtbüsten und Grabmale erhielt. Auch bei der Vergabe öffentlicher Aufträge für ein Kaiser-Wilhelm I.- und ein Bismarck-Denkmal in Düren engagierten sich Anna und Philipp Schoeller Anfang der 1890er-Jahre für Uphues. Die Figurengruppe des Sabiners, der seine Schwester verteidigt, wurde der Stadt Düren 1945 von Werner Schoeller (1895–1976) gestiftet.
 

Kurzbio

Geb. 1850 in Sassenberg/Westfalen, gest. 1911 in Berlin. 1864 Beginn einer Tischlerehre, 1870/71 Beginn einer Ausbildung zum Steinmetz. Ab 1878 akademische Ausbildung zum Bildhauer in Berlin bei Fritz Schaper (1841–1919). 1882 Meisterschüler von Reinhold Begas (1831-1911), 1885 bis 1890/91 Mitarbeit in dessen Privatwerkstatt. 1892 Einrichtung eines eigenen Ateliers in Berlin. 1899 Verleihung eines königlichen Professorentitels, passives Mitglied der Berliner Secession.


Literatur
Brigitte Kaul, Joseph Johann Ludwig Uphues (1850–1911). Ein Bildhauer im Wilheminischen Zeitalter und sein Werk, Diss. FU Berlin 1982.

Peter Bloch, Sibylle Einholz und Jutta von Simson (Hg.), Ethos und Pathos. Die Berliner Bildhauerschule 1786–1915, Ausst.-Kat. Hamburger Bahnhof, Berlin 1990, S. 334–337.