Carl Ebbinghaus
Herakles
Bronze
Die Figur des Herakles – lateinisch Herkules – spielt bis heute eine gewichtige Rolle in den „Mythen des Alltags“, die der französische Denker Roland Barthes für eine breite Leserschaft untersuchte. In der griechischen Mythologie stand der Held und Halbgott für enorme physische Stärke, aber auch für Tugendhaftigkeit. Ein sichtbares Zeichen seines „Nachlebens“, das bis in die Alltagskultur des 20. und 21. Jahrhunderts reicht, ist das Phänomen des Bodybuilding. Wer hätte die Titelrolle in dem B-Movie Hercules in New York (1969) besser verkörpern können als der damalige Mr. Universum und spätere „Governator“ von Kalifornien, Arnold Schwarzenegger?
Die aktuelle Positionierung des Herakles in Düren unweit einer Sportstätte erscheint vor diesem Hintergrund anspielungsreich. Identifizierbar ist der Herakles von Carl Ebbinghaus an einem seiner typischen Attribute, der Keule, die er hier – nach antiken Vorbildern – so lässig wie latent bedrohlich über der rechten Schulter trägt. Im antiken Mythos setzte er diese primitive, von ihm selbst aus Holz geschnitzte Waffe ein, um seine zwölf Aufgaben zu bewältigen – Strafarbeiten, mit denen er ein von ihm begangenes Unrecht abbüßte.
Die Herakles-Figur von Ebbinghaus wurde ursprünglich für einen anderen Standort und als Teil eines Paares – traditionellen Idealbildern von „Männlichkeit“ und „Weiblichkeit“ – entworfen. Ihr skulpturales Gegenstück war eine Statue der Aphrodite, erkennbar am Attribut der Muschel. Beide Figuren waren von Ebbinghaus nicht für eine allseitige Betrachtung, sondern mit einem Bezug zur Architektur konzipiert. Sie standen jeweils auf Sockeln, die mehr als ein Viertel der Gesamthöhe ausmachten, in zwei Nischen zwischen drei verglasten Portalen an der Gartenseite der Villa Hoesch.
Das Gebäude, das sich damals im Besitz des Juristen Dr. Hermann Hoesch (1870–1941) befand, wurde zwischen 1908 und 1910 nach Plänen des Münchner Architekten Carl Sattler (1877–1966) umgebaut. Sattler war ein Schwiegersohn des einflussreichen Münchner Bildhauers Adolf von Hildebrand (1847–1921), dessen Schüler Ebbinghaus war. Sattler lud Ebbinghaus mehrfach zu gemeinsamen Projekten ein; so entwarf Ebbinghaus für den Park der Villa Hoesch auch eine Steinskulptur.
Lit.
Achim Jaeger, Rund um die Dürener Stadtmauer in Wort und Bild, Düren 2018.
