Adolf Wamper
Stehender Knabe (o. D.)
Bronze
Höhe 121 cm
Nach dem Lebensbaum-Relief (1954) an der Fassade des Stiftischen Gymnasiums und dem „Flammenengel“ (1962) auf dem Kaiserplatz wurde als drittes und letztes Werk von Adolf Wamper der Stehende Knabe im öffentlichen Raum installiert. Im Unterschied zu den beiden anderen Werken entstand diese Skulptur weder im öffentlichen Auftrag noch mit Blick auf einen konkreten Aufstellungsort. In städtischen Besitz gelangte sie 1967 im Rahmen einer umfangreicheren Stiftung, die der 1964 verstorbene Dürener Sammler Heinrich Schwackenberg dem Museumsverein übereignete. Vermutlich wurde sie in den 1970er Jahren am heutigen Standort zwischen Pletzerturm und Hohenzollernstraße auf einem Grünstreifen aufgestellt.
Verantwortlich für die Auswahl der gestifteten Werke – darunter auch Gemälde, Skulpturen und Zeichnungen von Erich Heckel, August Macke und Ewald Mataré – war der damalige Direktor des Leopold-Hoesch-Museums, Heinrich Appel. Ein aktueller Anlass, den Stehenden Knaben aus der Sammlung Schwackenberg für das Museum zu übernehmen, könnte – neben der Realisierung des „Flammenengels“ – eine umfangreiche Ausstellung des Künstlers gewesen sein, die 1966 im Essener Museum Folkwang stattfand. Diese Schau umfasste neben zahlreichen Zeichnungen mehr als fünfzig Skulpturen aus der Zeit von 1925 bis 1965, wobei die staatlichen Aufträge der NS-Zeit erwartungsgemäß ausgeblendet wurden. Das „Verzeichnis der ausgestellten Arbeiten“ des Katalogs führt einen Liegenden Knaben, einen Stehenden Knaben und einen Sitzenden Knaben (alle 1956) auf, die deutlich kleinformatiger sind als die Dürener Figur, doch es ist vorstellbar, dass sie ebenfalls aus dieser Zeit stammt.
Ein eklektischer Rückbezug auf die griechisch-römische Antike konnte immer schon dazu dienen, künstlerische Setzungen zu untermauern – etwa, um eine als „abendländisch“ bezeichnete kulturelle Kontinuität zu behaupten oder Darstellungen von Nacktheit zu legitimieren. Das gilt auch für Wampers Stehenden Knaben. Die Gesichtszüge der Figur erinnern an das „archaische Lächeln“, die Körperhaltung mit dem angewinkelten linken Arm und dem vorangestellten rechten Fuß wirkt wie eine Anspielung auf den berühmten Doryphoros („Speerträger“) des Polyklet. Aus heutiger Sicht erscheinen Wampers Skulptur und ihr Standort im öffentlichen Stadtraum erklärungsbedürftig.
Lit.:
N. N., „Die Bildersammlung Heinrich Schwackenberg – eine Stiftung an den Museumsverein“, in: Düren im Blick. Zeitschrift für kulturelle Veranstaltungen für Düren und Umgebung, Düren 1958–2001, Bd. 8, 1966/67, S. 269.
Stiftungen und Schenkungen an das Leopold-Hoesch-Museum. Ausst.-Kat. Leopold-Hoesch-Museum, Düren, 8. November 1980 bis 4. Januar 1981, Nr. 210 (ohne Abb.)
Museumsverein Düren e. V., Die Sammlung im Leopold-Hoesch-Museum, bearb. von Irmgard Gerhards, Düren o. J. (1992), Nr. 201 (o. Abb.)
Bettina Oesl, „Der Bildhauer Adolf Wamper (1901–1977)“, in: Rheinische Heimatpflege, Jg. 50, Nr. 2, 2013, S. 125–142.
Kurzbio:
Geb. 1901 in Grevenberg (heute Würselen), gest. 1977 in Essen. 1923/24 Besuch der Aachener Kunstgewerbeschule, 1924 bis 1926 Gasthörer für Bildhauerei und Architektur an der Technischen Hochschule Aachen, 1926 bis 1929 Schüler und Meisterschüler an der Kunstakademie Düsseldorf. Ab 1929 bis 1948 freier Künstler. 1933 Eintritt in die NSDAP, ab 1934 Einladungen zu öffentlichen Wettbewerben und Realisierung von Auftragsarbeiten, unter anderem für das Olympia-Gelände und die Deutsche Oper in Berlin. 1944 Aufnahme in die Liste der „Gottbegnadeten“. Im März 1945 Wehrdienst und amerikanische Kriegsgefangenschaft; Entlassung im Juli 1945. 1948 vom zuständigen Entnazifizierungsausschuss entlastet und als „Mitläufer“ eingestuft, im Oktober 1948 Berufung an die Folkwangschule für Gestaltung, Essen; bis 1970 Leiter der Werkgruppe Plastik; in NRW zahlreiche Auftragsarbeiten für Kunst im öffentlichen Raum. 1970 anlässlich seiner Verabschiedung Ernennung zum Professor.
