Adolf Wamper
„Flammenengel“
Eingeweiht am 16. November 1962
Bronze, Stein
Im November 1944 wurde Düren durch Luftangriffe der westlichen Alliierten fast vollständig zerstört. Mehr als dreitausend Personen kamen durch die Bombardierung ums Leben. Erst 1956 konnte am Kaiserplatz der Grundstein für den Neubau des Rathauses gelegt werden, das 1959 bezugsfertig war. Die Platzanlage vor dem Gebäude sollte um ein Mahnmal zur Erinnerung an den 16. November 1944 ergänzt werden. Zum 18. Jahrestag des Ereignisses wurde der sogenannte „Flammenengel“ von Adolf Wamper eingeweiht. Seitdem finden dort alljährliche Gedenkveranstaltungen statt. 2011 geriet das Monument zunehmend in die Debatte, da Wamper durch seine NSDAP-Mitgliedschaft und monumentale Auftragsarbeiten während der NS-Zeit belastet ist. Um dieser Diskussion Rechnung zu tragen, ergänzte der Stadtrat das Mahnmal 2012 um eine Bronzetafel mit folgendem Text:
„Bronzeplastik des Bildhauers Adolf Wamper zum Gedenken an die Opfer des Luftangriffs auf die Stadt Düren am 16. November 1944 und die Toten der beiden Weltkriege 1914–1918 und 1939–1945.
Das als ‚Flammenengel‘ bezeichnete Mahnmal ging als erster Preisträger aus einem Ideenwettbewerb hervor und wurde nach einstimmigem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung am 16. November 1962 eingeweiht.
Adolf Wamper (1901 – 1977) war einer der geförderten Bildhauer der NS-Zeit und wurde 1944 in die Liste der ‚gottbegnadeten Künstler‘ des ‚Dritten Reiches‘ aufgenommen. Dies wurde bei der Entscheidung für das Mahnmal nicht hinterfragt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Wamper an die Folkwangschule in Essen berufen und leitete dort die Bildhauerklasse.
Heute setzen wir uns kritisch mit der Symbolik des Mahnmals auseinander. Die fast totale Zerstörung unserer Stadt war auch Konsequenz der verbrecherischen Politik im nationalsozialistischen Deutschland.“
Tatsächlich lädt der „Flammenengel“ in zweifacher Hinsicht zur Auseinandersetzung ein. Zum einen stellt sich die Frage nach der „Symbolik des Mahnmals“ im engeren Sinne, also nach seiner Bildsprache; diese verbindet eine Figur, die an einen Engel der Apokalypse erinnert und daher die Ausführung einer gerechten „göttlichen Strafe“ verkörpern könnte, mit dem Symbol einer „ewigen Flamme“, die traditionell dem Gedenken an Verstorbene dient. Zum anderen wirft das Mahnmal die gegenwärtig viel diskutierte Frage auf, ob und wie Künstler und Werk getrennt voneinander betrachtet werden können.
Weiterführende Literatur: Wolfgang Brauneis und Raphael Gross (Hg.), Die Liste der „Gottbegnadeten“: Künstler des Nationalsozialismus in der Bundesrepublik. Ausst.-Kat. Deutsches Historisches Museum Berlin, München/London/New York 2021.

