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Faire und gerechte Lösung für Campendonks „Tiere/Bild mit Tieren“
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Faire und gerechte Lösung für Campendonks „Tiere/Bild mit Tieren“

Düren, den 29.11.2019

Düren. Die Stadt Düren als Trägerin des Leopold-Hoesch-Museums und die Erbin der Kunstsammlung Hess haben sich nach umfangreichen Provenienzforschungen hinsichtlich des Gemäldes von Heinrich Campendonk „Bild mit Tieren“ in einem mehrjährigen Verfahren gemäß den Prinzipien der Washingtoner Erklärung von 1998 und der Gemeinsamen Erklärung der Bundesregierung, der Länder und kommunalen Spitzen-verbände zur Auffindung und Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgutes, insbesondere aus jüdischem Besitz, vom 14. September 1999 auf eine faire und gerechte Lösung geeinigt, die den Verbleib des Werkes in Düren sichern soll.

Große Freude über den Rückkauf des restituierten Campendonk-Gemäldes, das so dem Leopold-Hoesch-Museum erhalten bleibt. Foto: Stadt Düren

Große Freude über den Rückkauf des restituierten Campendonk-Gemäldes, das so dem Leopold-Hoesch-Museum erhalten bleibt. Foto: Stadt Düren

Der 1931 verstorbene jüdische Erfurter Schuhfabrikant Alfred Hess war ein bekannter Kunstsammler und Mäzen und hatte eine der bedeutendsten Sammlungen expressionistischer Kunst in Deutschland aufgebaut. Erbe wurde sein Sohn Hans Hess, der bereits wenige Monate nach Machtergreifung durch die Natio-nalsozialisten aus Deutschland in die Emigration zunächst nach Frankreich und später nach Großbritannien flüchtete. Seine Mutter Tekla Hess sandte währenddessen wichtige Teile der bedeutenden Kunstsammlung auf Freipass zu einer Ausstellung in die Schweiz, zunächst nach Basel und später nach Zürich, darunter auch das Gemälde von Heinrich Campendonk „Bild mit Tieren“. Sie war im März 1937 gezwungen, dieses Gemälde zusammen mit anderen Werken zurück nach Deutschland zu schicken, wo die Werke im Kölnischen Kunstverein untergebracht wurden. Im Jahr 1939 gelang ihr selbst noch die Emigration nach Großbritannien. Nach Ende des 2. Weltkrieges wurde seitens des Kölnischen Kunstvereins mitgeteilt, dass die ehemals eingelagerten Bilder zerstört, jedenfalls nicht mehr vorhanden seien. 

Erst im sogenannten „Kölner Kunstfälscherprozess“ 1949/50 tauchten ein paar der vermeintlich zerstörten Bilder als Diebesgut wieder auf. Im Rahmen dieses Strafprozesses stellte sich heraus, dass sowohl der damalige Hängemeister des Kölnischen Kunstvereins als auch Dritte sich Bilder aus der Sammlung Hess angeeignet hatten. Die wenigen bei polizeilichen Durchsuchungen aufgefundenen Bilder wurden nach Ab-schluss des Strafverfahrens an die Familie Hess zurückgegeben. Das hier betroffene Bild war nicht darunter. 

Es tauchte erst im Besitz der Galerie Hella Nebelung, Düsseldorf, wieder auf, wo es Anfang der 1950er Jahre von Felix Peltzer erworben wurde. Die Stadt Düren erhielt das Gemälde 1955 im Wege der Schenkung von der Familie Peltzer für die Sammlung des Leopold-Hoesch-Museums. Im Rahmen der vom Museumsverein Düren in Auftrag gegebenen umfangreichen, mehrjährigen Provenienzforschung konnte nicht geklärt werden, wie und von wem die Galerie Nebelung das Bild erhalten hat. Unabhängig davon, ob und in welcher Weise das Museum im Einzelnen rechtlich dazu verpflichtet ist, will das Leopold-Hoesch-Museum im Rahmen einer fairen und gerechten Lösung das Werk von Campendonk „Bild mit Tieren“ an die Erbin zurückgeben. 

Der professionelle Umgang mit dieser Angelegenheit, die Kooperation bei den Forschungen und der Analyse der historischen Informationen sowie letztlich die Restitution dieses Bildes von Campendonk sind ein vorbildliches Beispiel verantwortungsvoller Museums-Praxis im Umgang mit NS-verfolgungsbedingt verlorengegangener Kunst.

Um das Gemälde für die Sammlung des Leopold-Hoesch-Museums und damit für die Öffentlichkeit zu erhalten, hat die Stadt Düren im Sinne einer fairen und gerechten Lösung mit der Erbin vereinbart, dass das Leopold-Hoesch-Museum das Gemälde nach Restitution zurückerwirbt. 

Es konnten nationale und regionale Körperschaften und Stiftungen wie die Beauftragte der Bundesregie-rung für Kultur und Medien, die Kulturstiftung der Länder, die Ernst von Siemens Kunststiftung sowie das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen gewonnen werden, sich an der Finanzierung zu beteiligen. Die Stadt Düren wird einen Eigenanteil zu der Finanzierung beitragen. Dies ist Voraussetzung für die Unterstützung der beteiligten öffentlichen Träger und Stiftungen. 

Kulturstaatsministerin Monika Grütters: „Die Vereinbarung zwischen der Stadt Düren und der Erbin des früheren Eigentümers steht beispielhaft für eine faire und gerechte Lösung im Sinne der „Washingtoner Erklärung“. Es war mir deshalb ein Anliegen, diesen Erwerb mit einem Beitrag aus dem Bundeskulturetat möglich zu machen.“ 

„Ich freue mich sehr, dass in Bezug auf Heinrich Campendonks Gemälde eine faire und gerechte Lösung gefunden wurde und wir es in gemeinschaftlichem Engagement mit den beteiligten Stiftungen für die Sammlung des Leopold-Hoesch-Museums und damit für die Öffentlichkeit erhalten können. Die Geschichte des Gemäldes, die mit der Restitution und seinem Rückkauf nun eine gute Wendung genommen hat, be-stätigt einmal mehr die Bedeutung der Provenienzforschung. Das Unrecht nationalsozialistischer Verfol-gung und Enteignung stellt nach wie vor eine große Verpflichtung dar. Absicht des Landes Nordrhein- Westfalen ist, alles, was möglich ist, dafür zu tun, um die Erforschung von Beständen zu optimieren und voranzutreiben, – damit endlich zurückgegeben wird, was zu Unrecht in öffentliche Sammlungen gelangt ist,“ sagt Isabel Pfeiffer-Poensgen, Ministerin für Kultur- und Wissenschaft des Landes Nordrhein- Westfalen. 

„Mit dieser Förderung bleibt dem Leopold-Hoesch-Museum ein zentrales Kunstwerk seiner Sammlungsgeschichte und ein schwerlich zu ersetzender Baustein in seiner Sammlung des mitteldeutschen Expressionismus erhalten. Das Werk wird künftig nicht nur hier im Haus für einen verantwortungsbewussten Umgang mit verfolgungsbedingt entzogenem Kulturgut stehen“, sagt Prof. Dr. Markus Hilgert, Generalsekretär der Kulturstiftung der Länder. 

„Die Ernst von Siemens Kunststiftung unterstützt Museen seit vielen Jahren bei der Erarbeitung von Bestandskatalogen und damit auch bei der Provenienzforschung an den eigenen Beständen. Immer wieder führen neue Forschungsergebnisse zur Restitution von verfolgungsbedingt entzogenen Kunstwerken. Bei einem fairen Ausgleich zwischen den rechtmäßigen Besitzern und den Museen, ist die Kunststiftung oft ebenfalls ein Partner, der den Verbleib in einer gewachsenen und stimmigen Sammlung ermöglichen kann – dies ist auch in Düren geschehen – Heinrich Campendonks „Bild mit Tieren“ kann in dem Haus bleiben, in dem es die Sammlung hervorragend ergänzt“, freut sich Dr. Martin Hoernes, Generalsekretär der Ernst von Siemens Kunststiftung.

 

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