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Die Rückriem-Stelen in Düren
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Die Rückriem-Stelen in Düren

Düren ist Standort eines herausragenden Werkes des international renommierten Künstlers Ulrich Rückriem, dessen Biografie mit der Stadt Düren und der Region eng verbunden ist. Rückriems Material ist der Stein. Der Künstler hat nach Beauftragung durch den Dürener Stadtrat im Jahr 1988 dezentrale Erinnerungsmale geschaffen: Zehn Stelen weisen auf die Orte in der Stadt hin, wo zur Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft Menschen unsagbar gelitten haben.

Die zehn Stelen bilden in ihrer Gesamtheit sicher eine eindrucksvolle Kette von "Steinen des Anstoßes", erfüllen also ihren Zweck. Da ist es relativ nebensächlich, dass einige Standorte nicht exakt den historischen Gegebenheiten entsprechen (z.B. Schützenstraße, Wernersstraße). Bedeutender erscheint schon die Tatsache, dass einige unangenehme Fragen (zwangsläufig?) ausgeklammert wurden, so z.B. das frühe Engagement namhafter Dürener Industrieller für den Nationalsozialismus. Eine Stele hätte so mit Sicherheit vor den Toren eines bekannten Dürener Unternehmens stehen müssen, das schon 1932 der SA auf seinem Gelände einen Versammlungsraum zur Verfügung stellte und auch sonst reichlich Hilfe anbot.

Eine weitere Stele hätte man dem Kapitel "Dürener Schulen" widmen können. Manch stolze Pressemeldung verkündet in der ersten Zeit des "Dritten Reiches", diese und jene Schule sei fest in der Hand der Hitler-Jugend, was mit der feierlichen Hissung der HJ-Flagge auf dem Schulgelände "belohnt' wurde.
An historischen Anlässen für eine Reihe weiterer Stelen, das ist sicher, wäre kein Mangel.

Bei aller Kritik im Detail jedoch, das sei hier gesagt, bieten die Rückriem-Stelen die große Chance, die auch in Düren lange vernachlässigte Auseinandersetzung mit der braunen Vergangenheit produktiv in Angriff zu nehmen. Ziel einer solchen Auseinandersetzung kann jedoch nur sein, mit Hilfe einer möglichst lückenlosen Erforschung der historischen Tatsachen einerseits den Opfern des Nationalsozialismus Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, andererseits sich aber auch gegenüber möglichen neuen Tätern zu wappnen. Und dass dies nötig ist, wird niemand ernsthaft bestreiten wollen.

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